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Lesetipps
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Mit einem Fuss im Paradies
Ron Rash
Ars vivendi
2026
Einige von Ihnen werden den Autor Ron Rash von seinem Buch „Der Friedhofswärter“, das 2024 erschienen ist, bereits kennen. Nun hat der Verlag das Debüt des Autors den deutschsprachigen Lesern ermöglicht. Es spielt in South-Carolina, Anfang der 1950er-Jahre. Sheriff Will Alexander weiss, dass der im ganzen Tal bekannte Schläger und Störenfried Holland Winchester ermordet worden ist – sein Problem ist nur, dass er trotz intensiver Suche auf den von Dürre geplagten Feldern weder eine Leiche noch hilfreiche Zeugen finden kann. Ron Rash lässt seine Figuren ihre Geschichten selber erzählen. In fünf Perspektiven (Sheriff, Billy, Amy, deren Sohn Isaac und schließlich der stellvertretende Sheriff) entfaltet er eine eindringliche Geschichte um Liebe, um das Leben mit einer Lüge, um Aberglauben, um Verschweigen und Verdrängen, um Hoffnungen und Lebensträume, um innere Konflikte und menschliche Abgründe. Ein Muss für alle Kent Haruf- oder Callan Wink-LeserInnen!
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Die Glasglocke
Sylvia Plath
Suhrkamp
2026
In Sylvia Plaths einzig veröffentlichtem Roman „Die Glasglocke“ geht es um die Geschichte der jungen Esther Greenwood, einer Studentin, die ein Sommerstipendium bei einer Modezeitschrift in New York erhält. Dieser Aufenthalt, der eigentlich glamourös und inspirierend wirken sollte, wird für sie jedoch zunehmend zu einer Quelle der Entfremdung und inneren Leere. Obwohl sie professionell erfolgreich erscheint, fühlt sie sich gegenüber der glitzernden Medienwelt gleichgültig und unpassend, ein erstes Signal dafür, dass ihre psychische Stabilität bröckelt. Uns gefällt diese Geschichte sehr, da es um eine junge Frau geht die Ihren Platz in der Welt finden möchte und dabei sich Selbst verliert. Für diese Neuausgabe hat die französische Künstlerin Beya Rebai die Szenen und Stimmungen des modernen Klassikers in eindringliche Bildwelten übersetzt.
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Nelka
Svenja Leiber
Suhrkamp
2026
Nelka, ein sechszehn jähriges Mädchen, wird Anfang des zweiten Weltkrieges von deutschen Soldaten auf der Strasse in Lemberg aufgegriffen und mit anderen jungen Mädchen in den Westen verschleppt. Sie sollen als „freiwillige“ Helferinnen eingesetzt werden auf einem Norddeutschen Gutshof. Dort muss sie schwere Arbeit verrichten. Schon früh hat ihr Vater sie über die Welt des Obstbaus gelehrt, oft hat sie ihm beim veredeln ihrer Apfelbäume geholfen. Aufgrund dieses Wissens kann sie sich dem Gutsverwalter Marten beweisen und erhält dadurch eine besondere Position. Sie plant für ihn den Bau einer Apfelplantage, mit dieser Plantage macht der Verwalter nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an diesen Ort zurück. Sie will, dass Marten sich an diese schlimme Zeit erinnert, wovon sie sich selbst endlich befreien muss. Eine berührende Geschichte über eine junge Frau, die sich in einem völlig fremden Land beweisen muss. Man bekommt einen guten Einblick in das Leben der Zwangsarbeiterinnen auf dem Gutshof. Trotz der Tragik dieser Geschichte, schreibt Svenja Leiber poetisch und eindrücklich über das Leben im Arbeitslager. Schön finde ich auch den Zusammenhalt der Frauen gegen diese unmenschlichen Verhältnisse im Lager.
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Die Brandung
Maylis de Kerangal
Suhrkamp
2026
Am Hafen von Le Havre wird ein Mann tot aufgefunden. In der Jackentasche ein Kinoticket und auf dessen Rückseite ihre Telefonnummer. Sie erhält einen Anruf des ermittelnden Polizisten. Nur: Was soll sie – Synchronsprecherin in Paris, Mutter und Ehefrau – mit diesem ermordeten Mann in der 200 Kilometer entfernten Stadt zu tun haben? Sie reist sofort nach Le Havre. Verlangt, die Leiche zu sehen. Angelangt in der Stadt ihrer Kindheit, begegnet sie unwillkürlich den Bildern ihrer Vergangenheit. Der Hafenkai, das Lichtspielhaus, jeder Ort trägt Spuren vergessener Episoden. Und immer mehr drängt sich ihr die Erinnerung an ihre erste verlorene Liebe auf. Was, wenn der Tote diese Jugendliebe ist, die damals von heute auf morgen wie vom Erdboden verschwunden war? Wie auch schon im früheren Titel „Weiter nach Osten“ begleiten wir die Protagonistin bei ihren Reflexionen über ihr Leben und ihren inneren Aufruhr. Grossartig!
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Die Lebensentscheidung
Robert Menasse
Suhrkamp
2026
Die Hauptfigur in dieser Novelle ist Franz Fiala. Die Familie Fiala kennen wir aus Franz Werfels Novelle „Der Tod des Kleinbürgers“ und wir finden auch in Robert Menasses Novelle Parallelen dazu. Doch während die Novelle von Franz Werfel eine Geschichte des Abstiegs ist, ist Franz Fiala bei Menasse ein Aufsteiger der Familie. Als erster hat er studiert und ist der Stolz seiner Mutter. Seit Jahren arbeitet er in der Abteilung Ökologie der Generaldirektion für Umwelt der EU. Frustriert über das Einknicken der EU gegenüber den Bauern, die mal wieder mit den Traktoren die Stadt blockieren oder gegenüber all den Menschen, die lieber gepanschten Honig konsumieren, da sie sich sonst „überreguliert“ fühlen entscheidet er sich für eine frühzeitige Pensionierung. Was wie die Lebensentscheidung aussieht, ändert sich, als er die Krebsdiagnose erhält. Nun wir die Lebensentscheidung zu einer ganz anderen, nämlich die Mutter zu überleben. Nun geht es um einen „Überlebenswettkampf“. Wie auch in seinen vorherigen Büchern nimmt er die Politik mit leisem Humor und Ironie auf die Schippe. Doch während er in seinem letzten Roman noch voll hinter der EU steht, schleichen sich nun kritischere Töne in sein Buch. Die Novelle ist auch eine starke Mutter-Sohn-Geschichte. Sie haben eine toxische Beziehung und auf eindrückliche Weise beschreibt er die Abhängigkeiten der beiden und auch den Wunsch, sich davon zu befreien.
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fundamentalös
Noussaibah Younis
Unionsverlag
2026
Noussaibah Younis (1986 in Manchester) ist Friedensforscherin und anerkannte Irak-Expertin. Sie beriet die irakische Regierung zu Deradikalisierungsprogramme von IS-Frauen. Sie ist in England als Tochter von irakisch-pakistanischen Eltern aufgewachsen und lebt heute in London. Die Protagonistin Nadia, Akademikerin und von ihrer grossen Liebe Rosy verlassen, möchte aus ihrem öden Privatleben fliehen und bewirbt sich um eine Dozentenstelle in London. Um diese zu erhalten veröffentlicht sie einen Artikel, in dem es um Deradikalisierungsprogramme von IS-Frauen geht. Die nationale und internationale Presse stürzt sich auf den Artikel und die „Vereinten Nationen“ bieten ihr gar eine Stelle im Irak zum Aufbau solcher Programme an. Der Artikel war rein theoretisch, sie hatte noch nie in diese Richtung gearbeitet. Trotzdem oder gerade deswegen nimmt sie die Stelle in Bagdad an. Und wie könnte es anders sein: Im Irak leistet sie sich in der Welt der internationalen Hilfsorganisationen einen Fehltritt nach dem anderen. Nichtsdestotrotz packt sie den Stier bei den Hörnern und geht ihre Aufgabe an. In einem Lager trifft sie auf Sara. Als wütende Teenagerin hat sie sich mit 15 Jahren dem IS angeschlossen. Verbunden durch ihr muslimisches Aufwachsen in London und ihre Vorliebe für derbe Sprüche freunden sich die beiden an und bald muss sich Nadia entscheiden, wie weit sie für Sara zu gehen bereit ist. Mit ihrem Debütroman „fundamentalös“ stand sie 2025 auf der Shortlist des Women’s Prize for Fiction. Ich habe selten einen so witzigen und unterhaltsamen Roman über ein so ernstes Thema gelesen. Mit bissigem Humor entlarvt sie die Hintergründe der westlichen Interventionen und der manchmal absurden Bürokratie.
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Jacaranda
Gael Faye
Piper
2025
Die Geschichte handelt vom Ich-Erzähler Milan. Milan ist ein ganz normaler Junge aus Versailles. Sein Vater ist Franzose, seine Mutter eine Tutsi aus Ruanda. Die Herkunft seiner Mutter war nie ein Thema, bis zu dem Tag, an dem unverhofft Claude auftaucht. Claude ist ein Verwandter seiner Mutter aus Ruanda und Milan freut sich wahnsinnig über seinen neuen „jüngeren Bruder“. Wie er auftauchte, so verschwindet er auch wieder. Ohne Erklärungen seitens seiner Eltern. Doch die Erinnerung an den kleinen "Bruder" lässt Milan nicht mehr los. Warum hat die Mutter ihn nie erwähnt, warum kennt Milan Ruanda nur aus den Abendnachrichten? Erst als junger Mann reist er nach Kigali, freundet sich wieder mit seinem Cousin Claude an und steht ihm beim Prozess gegen die Mörder seiner Familie bei. Gegen den Willen seiner Mutter beginnt Milan das Familiengeheimnis aufzudecken. Er begreift, dass sich Ruanda noch immer vom Völkermord an den Tutsi erholen muss. Ruanda ist ein junges Land. Fast drei Viertel der Bevölkerung wurde nach dem Völkermord nach 1994 geboren. Anhand dreier Protagonisten beschäftigt er sich mit der schweren Hypothek, die diese Geschichte bedeutet: Stella entzieht sich ihrer Mutter, die bei einem Pogrom vier ihrer Kinder verloren hat, Claude ist selbst Überlebender, Milan, der Ich-Erzähler, ist in Versailles aufgewachsen, will aber als Jurist zurück nach Ruanda. Mit grossem Feingefühl verwebt Faye die verschiedenen Erfahrungen zwischen Frankreich und Ruanda, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Trauma und Bewältigung.
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Bärenzähne
Callan Wink
Suhrkamp
2025
Ein Abenteuerroman wie ein Film abgespielt. Zwei Brüder, Thad und Hazen wohnen an der Grenze zum Yellostone Park in Montana, USA. Sie halten sich hauptsächlich mit dem Verkauf von geschlagenem Holz „über Wasser“. Ihr Haus braucht dringend ein neues Dach, das Auto macht bald schlapp, die Rechnungen stapeln sich. Der ältere Bruder Thad, der „Kopf“ der beiden, kennt keinen Ausweg als auch auf illegale Weise, durch Wilderei, sich Geld zu beschaffen. Der Jüngere, ein hyperaktiver Träumer, stellt die Bruderbeziehung immer wieder auf die Probe. Als ein verschrobener und gefährlicher Geschäftsmann den Brüdern einen lukrativen, illegalen und gefährlichen Auftrag in Aussicht stellt und sie diesen aus purer Not annehmen, hat dies für sie schwerwiegende Konsequenzen. Ein Buch über die sensible, komplexe Beziehung der beiden Brüder und das Überleben in der rauen Natur Montanas.
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Das Geschenk
Gaea Schoeters
Zsolnay
2025
Im April 2024 hatte der sehr verärgerte Präsident von Botswana Deutschland in einem Interview ein Angebot gemacht. Mokgweetsi Masisi wolle dem Land 20.000 wilde Elefanten zukommen lassen. Aus Ärger um ein EU-Gesetz, das Deutschland verschärfen will. Diesen Vorschlag hat Gaea Schoeters als Grundlage für ihren neuen Roman genommen. Wie schon in ihrem letzten Roman „Trophäe“ kreist das neue Buch um folgende Themen: Wie ist unser Verhältnis zur Natur? Haben all unsere Probleme damit begonnen, dass der Mensch sich außerhalb und über das Ökosystem stellt? Wie sieht die Zukunft der Welt aus, und wer hat sie zu gestalten? Und was sind die Menschen bereit zu opfern, um ihre Macht nicht zu verlieren? Ist unser (wirtschaftliches, politisches, soziales) System wirklich das beste und einzige für immer und ewig, oder sind alternative Systeme denkbar? So lässt sie immer mehr Elefanten durch Berlin spazieren und löst damit politische Turbulenzen aus. Und wie immer, wenn es brenzlig wird, sollen es die Frauen richten… Geschrieben mit einem Augenzwinkern, kombinierte sie das Buch mit klassischen Zutaten wie Loyalität und Verrat, schüttelte und rührte ein wenig, fügte eine Prise dunklen Humor hinzu und bekam eine leicht absurde politische Satire!
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