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Lesetipps
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Die Lebensentscheidung
Robert Menasse
Suhrkamp
2026
Die Hauptfigur in dieser Novelle ist Franz Fiala. Die Familie Fiala kennen wir aus Franz Werfels Novelle „Der Tod des Kleinbürgers“ und wir finden auch in Robert Menasses Novelle Parallelen dazu. Doch während die Novelle von Franz Werfel eine Geschichte des Abstiegs ist, ist Franz Fiala bei Menasse ein Aufsteiger der Familie. Als erster hat er studiert und ist der Stolz seiner Mutter. Seit Jahren arbeitet er in der Abteilung Ökologie der Generaldirektion für Umwelt der EU. Frustriert über das Einknicken der EU gegenüber den Bauern, die mal wieder mit den Traktoren die Stadt blockieren oder gegenüber all den Menschen, die lieber gepanschten Honig konsumieren, da sie sich sonst „überreguliert“ fühlen entscheidet er sich für eine frühzeitige Pensionierung. Was wie die Lebensentscheidung aussieht, ändert sich, als er die Krebsdiagnose erhält. Nun wir die Lebensentscheidung zu einer ganz anderen, nämlich die Mutter zu überleben. Nun geht es um einen „Überlebenswettkampf“. Wie auch in seinen vorherigen Büchern nimmt er die Politik mit leisem Humor und Ironie auf die Schippe. Doch während er in seinem letzten Roman noch voll hinter der EU steht, schleichen sich nun kritischere Töne in sein Buch. Die Novelle ist auch eine starke Mutter-Sohn-Geschichte. Sie haben eine toxische Beziehung und auf eindrückliche Weise beschreibt er die Abhängigkeiten der beiden und auch den Wunsch, sich davon zu befreien.
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fundamentalös
Noussaibah Younis
Unionsverlag
2026
Noussaibah Younis (1986 in Manchester) ist Friedensforscherin und anerkannte Irak-Expertin. Sie beriet die irakische Regierung zu Deradikalisierungsprogramme von IS-Frauen. Sie ist in England als Tochter von irakisch-pakistanischen Eltern aufgewachsen und lebt heute in London. Die Protagonistin Nadia, Akademikerin und von ihrer grossen Liebe Rosy verlassen, möchte aus ihrem öden Privatleben fliehen und bewirbt sich um eine Dozentenstelle in London. Um diese zu erhalten veröffentlicht sie einen Artikel, in dem es um Deradikalisierungsprogramme von IS-Frauen geht. Die nationale und internationale Presse stürzt sich auf den Artikel und die „Vereinten Nationen“ bieten ihr gar eine Stelle im Irak zum Aufbau solcher Programme an. Der Artikel war rein theoretisch, sie hatte noch nie in diese Richtung gearbeitet. Trotzdem oder gerade deswegen nimmt sie die Stelle in Bagdad an. Und wie könnte es anders sein: Im Irak leistet sie sich in der Welt der internationalen Hilfsorganisationen einen Fehltritt nach dem anderen. Nichtsdestotrotz packt sie den Stier bei den Hörnern und geht ihre Aufgabe an. In einem Lager trifft sie auf Sara. Als wütende Teenagerin hat sie sich mit 15 Jahren dem IS angeschlossen. Verbunden durch ihr muslimisches Aufwachsen in London und ihre Vorliebe für derbe Sprüche freunden sich die beiden an und bald muss sich Nadia entscheiden, wie weit sie für Sara zu gehen bereit ist. Mit ihrem Debütroman „fundamentalös“ stand sie 2025 auf der Shortlist des Women’s Prize for Fiction. Ich habe selten einen so witzigen und unterhaltsamen Roman über ein so ernstes Thema gelesen. Mit bissigem Humor entlarvt sie die Hintergründe der westlichen Interventionen und der manchmal absurden Bürokratie.
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Jacaranda
Gael Faye
Piper
2025
Die Geschichte handelt vom Ich-Erzähler Milan. Milan ist ein ganz normaler Junge aus Versailles. Sein Vater ist Franzose, seine Mutter eine Tutsi aus Ruanda. Die Herkunft seiner Mutter war nie ein Thema, bis zu dem Tag, an dem unverhofft Claude auftaucht. Claude ist ein Verwandter seiner Mutter aus Ruanda und Milan freut sich wahnsinnig über seinen neuen „jüngeren Bruder“. Wie er auftauchte, so verschwindet er auch wieder. Ohne Erklärungen seitens seiner Eltern. Doch die Erinnerung an den kleinen "Bruder" lässt Milan nicht mehr los. Warum hat die Mutter ihn nie erwähnt, warum kennt Milan Ruanda nur aus den Abendnachrichten? Erst als junger Mann reist er nach Kigali, freundet sich wieder mit seinem Cousin Claude an und steht ihm beim Prozess gegen die Mörder seiner Familie bei. Gegen den Willen seiner Mutter beginnt Milan das Familiengeheimnis aufzudecken. Er begreift, dass sich Ruanda noch immer vom Völkermord an den Tutsi erholen muss. Ruanda ist ein junges Land. Fast drei Viertel der Bevölkerung wurde nach dem Völkermord nach 1994 geboren. Anhand dreier Protagonisten beschäftigt er sich mit der schweren Hypothek, die diese Geschichte bedeutet: Stella entzieht sich ihrer Mutter, die bei einem Pogrom vier ihrer Kinder verloren hat, Claude ist selbst Überlebender, Milan, der Ich-Erzähler, ist in Versailles aufgewachsen, will aber als Jurist zurück nach Ruanda. Mit grossem Feingefühl verwebt Faye die verschiedenen Erfahrungen zwischen Frankreich und Ruanda, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Trauma und Bewältigung.
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Bärenzähne
Callan Wink
Suhrkamp
2025
Ein Abenteuerroman wie ein Film abgespielt. Zwei Brüder, Thad und Hazen wohnen an der Grenze zum Yellostone Park in Montana, USA. Sie halten sich hauptsächlich mit dem Verkauf von geschlagenem Holz „über Wasser“. Ihr Haus braucht dringend ein neues Dach, das Auto macht bald schlapp, die Rechnungen stapeln sich. Der ältere Bruder Thad, der „Kopf“ der beiden, kennt keinen Ausweg als auch auf illegale Weise, durch Wilderei, sich Geld zu beschaffen. Der Jüngere, ein hyperaktiver Träumer, stellt die Bruderbeziehung immer wieder auf die Probe. Als ein verschrobener und gefährlicher Geschäftsmann den Brüdern einen lukrativen, illegalen und gefährlichen Auftrag in Aussicht stellt und sie diesen aus purer Not annehmen, hat dies für sie schwerwiegende Konsequenzen. Ein Buch über die sensible, komplexe Beziehung der beiden Brüder und das Überleben in der rauen Natur Montanas.
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Das Geschenk
Gaea Schoeters
Zsolnay
2025
Im April 2024 hatte der sehr verärgerte Präsident von Botswana Deutschland in einem Interview ein Angebot gemacht. Mokgweetsi Masisi wolle dem Land 20.000 wilde Elefanten zukommen lassen. Aus Ärger um ein EU-Gesetz, das Deutschland verschärfen will. Diesen Vorschlag hat Gaea Schoeters als Grundlage für ihren neuen Roman genommen. Wie schon in ihrem letzten Roman „Trophäe“ kreist das neue Buch um folgende Themen: Wie ist unser Verhältnis zur Natur? Haben all unsere Probleme damit begonnen, dass der Mensch sich außerhalb und über das Ökosystem stellt? Wie sieht die Zukunft der Welt aus, und wer hat sie zu gestalten? Und was sind die Menschen bereit zu opfern, um ihre Macht nicht zu verlieren? Ist unser (wirtschaftliches, politisches, soziales) System wirklich das beste und einzige für immer und ewig, oder sind alternative Systeme denkbar? So lässt sie immer mehr Elefanten durch Berlin spazieren und löst damit politische Turbulenzen aus. Und wie immer, wenn es brenzlig wird, sollen es die Frauen richten… Geschrieben mit einem Augenzwinkern, kombinierte sie das Buch mit klassischen Zutaten wie Loyalität und Verrat, schüttelte und rührte ein wenig, fügte eine Prise dunklen Humor hinzu und bekam eine leicht absurde politische Satire!
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Die echtere Wirklichkeit
Raphaela Edelbauer
Klett-Cotta
2025
Ein barrierefreies Buch! Als Byproxy mit zwei Koffern, Laptop und Rollstuhl aus dem betreuten Wohnen für junge Erwachsene entlassen wird, übernachtet sie in offengelassenen Markständen und verbringt die Tage in den Kaffeehäusern Wiens. Dort erregen vier lebhaft über Philosophie streitende Leute ihre Aufmerksamkeit: Sie sind Aletheia – eine philosophische Terrororganisation im Kampf gegen Fake news und alternative Fakten. Die Aktivistengruppe kämpft für die absolute Wahrheit, denn Verschwörungstheorien, Fehlinformationen und alternative Wahrheiten sind die größten Probleme unserer Zeit. Durch künstlerische Interventionen will die Gruppe die Öffentlichkeit bekehren. Byproxy überzeugt sie davon, sie in das besetzte Haus mitzunehmen, das den vier Hauptquartier und Kommune ist. In harten Probemonaten, während derer sie tagsüber die Toiletten putzt und sich abends durch den philosophischen Kanon gräbt, erarbeitet sie sich das Vertrauen der Gruppe. Doch während sich Aletheia auf die große Aktion vorbereitet, wachsen die Zweifel an Byproxy. Wozu eine Sprengstoffexpertin in der Gruppe haben, wenn man nie Sprengstoff nutzt? Welche Schuld treibt sie selbst dazu, jede Woche die Mutter eines bei ihrem Unfall umgekommenen Mädchens zu besuchen? Wenn hier jemand dem Anspruch nach absoluter Wahrheit nicht nachkommt, dann ist es Byproxy, dann ist es die Erzählerin selbst. Und sie erzählt…. Rasant und virtuos!
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Onigiri
Yuko Kuhn
Hanser
2025
Onigiri sind japanische Reisknödel und ist die liebste Mahlzeit der Protagonistin Aki. Aki ist zwischen zwei Welten aufgewachsen. Die Welt ihres Vaters und der deutschen Grosseltern besteht aus schwerem, silbernen, Besteck, grünem Samt und einem grossen Haus. Zuhause, in der Welt ihrer Mutter, gibt es ein Sammelsurium aus Stäbchen und jeden Tag Misosuppe. Als Aki erfährt, dass ihre Großmutter gestorben ist, bucht sie zwei Flüge. Ein letztes Mal will sie ihre Mutter zu ihrer Familie in Japan bringen, auch wenn sie weiß, wie riskant es ist, einen dementen Menschen aus der gewohnten Umgebung zu reißen. Und wirklich hat sie ihre Mutter noch nie so verloren erlebt wie in der ersten Nacht im Hotel. Doch dann sitzen sie beim Essen im alten Elternhaus, und plötzlich spricht sie, die so still geworden ist, fröhlich und klar für sich selbst. Erst auf dieser Reise erkennt Aki in ihrer Mutter die mutige und lebenshungrige Frau, die sie einmal war, bevor sich in Deutschland diese große, für Aki so bedrohliche Müdigkeit über sie legte. Eine faszinierende Geschichte um Abschied, Verlorenheit aber auch das Wiederfinden von Nähe!
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